Reisebericht über Vietnam und Kambodscha
Eberhards Reiseerinnerungen
Vietnam und Kambodscha vom 20. Januar bis 07. Februar 2009
20. Januar: Abfahrt mit dem ICE gegen 09:00 Uhr von KA zum Airport Frankfurt/M. Dort kam ich mit einem Vietnamesen ins Gespräch, der in seine Heimat wollte und erzählte, dass die vielen Vietnamesen, die auch mitfliegen wollten, zum Tet-Fest zu den Verwandten reisen. Für mich war das eine angenehme Überraschung, zu erfahren, dass ich das buddhistische Neujahrsfest in Vietnam miterleben werde. Das Tetfest ist das höchste Fest der Vietnamesen, so wie Weihnachten, Silvester und Geburtstag zusammen. Dazu trifft sich generell die ganze Familie daheim und es gibt Geldgeschenke - sehr praktisch ! Zum Tetfest wird, per Festlegung, jeder Vietnamese automatisch ein Jahr älter. Wenn er erst zehn Minuten vor Mitternacht geboren wurde, ist er nach Mitternacht schon zwei Jahre alt. Andere Länder, andere Sitten.
So nach und nach trafen Christine aus Waiblingen, Dorothea aus Bretten und Albrecht aus Stuttgart ein. Gemeinsam gingen wir zum Check-In und das Abenteuer nahm seinen Fortgang. Gegen 14:00 Uhr startete die Maschine planmäßig und ich hatte von meinem Fensterplatz eine gute Sicht bis unsere Boeing der Vietnam-Airlines abhob und wir schnell über den Wolken waren. Wegen des Tetfestes waren sehr viele Kleinkinder, die wahrscheinlich Oma und Opa sehen sollten, mit in der Maschine. Das ging natürlich während des zehnstündigen Fluges nicht ohne Geschrei und vielstimmiges Weinen ab. Direkt vor mir hatten Vietnamesen ihr Kleinkind mit dabei. Das war aber lieb und sah uns und unsere Annäherungsversuche mit Interesse an. Bei essen, trinken, lesen , dösen, herumalbern mit dem Kind vor uns und dem Ausfüllen der Einreiseformulare für Vietnam verging die zehnstündige Flugzeit recht schnell und dann setzte der Flieger schon auf der Landebahn in Hanoi auf, früh gegen 06:00 Uhr Ortszeit am 21. Januar. Am Kofferkarussell bekam Dorothea ihren Koffer als erste und wir anderen mussten elend lange warten. Immer in kleinen Schüben, mit langer Pause kamen die Koffer aus der „Flughafenunterwelt“. Dort am Kofferkarussell trafen wir dann den Fünften aus unserer Mini-Reisegruppe: Günther aus Berlin. Unseren örtlichen Reiseleiter, der ein Schild mit dem Namen unseres Reisebüros hoch hielt, fanden wir auch sofort. Die um die 25 Grad Außentemperatur wurden positiv registriert. Der klimatisierte Kleinbus wartete auf uns, es wurden gekühlte Trinkwasserflaschen verteilt und es ging weiter, durch Hanoi, aus Hanoi heraus auf autobahnähnlicher Straße in Richtung Halong Bucht. Uns fielen die Gräber im Gelände auf, die nicht in Friedhöfen sind, sondern auch direkt mitten in Reisfeldern. Dies hängt mit dem Ahnenkult der Vietnamesen zusammen. Unterwegs nannte der Reiseleiter die wichtigsten Eckdaten des Landes, der Hauptstadt und beantwortete unsere Fragen. Er, wie alle zukünftigen Reiseleiter unserer Tour in Vietnam, hatte sein Deutsch einst in der DDR gelernt. Leider hatte er einiges schon wieder vergessen und die Aussprache war nicht immer deutlich. Nach mehrstündiger Fahrt, mit Besuch einer Manufaktur mit Kaufgelegenheit zwischendurch, erreichten wir die Stadt Halong und setzten vom Dschunkenhafen mit Motorbooten zur Dschunke über. Zahlreiche Dschunken lagen in Ufernähe vor Anker. Unsere Koffer wurden, wie immer, von dienstbereiten Vietnamesen befördert. Nach ca. 15 Minuten Fahrt waren wir an unserer Dschunke. Die Dschunke bot hotelmäßige Ausstattung und auch die Verpflegung dort war demgemäß. Toilette und Dusche am Zimmer war eine Nasszelle, in der man das in reichlichem Schwall strömende Duschwasser genießen konnte. Am schönsten waren die Sitz- oder Liegeplätze auf Deck im Freien oder hinter Glas. Herrliche Sicht während stundenlanger Fahrt auf zahllose Kalksteinfelsen, mit bizarren Felsformationen, Blick auf schwimmende Fischerdörfer und andere Dschunken. Leider war es etwas trüb, mit nur gelegentlich zum Fotografieren geeignetem Sonnenschein. Mit dem Motorboot fuhren wir zu einer riesigen Höhle, in der durch Säurereaktionen im Kalkstein einst entstandene Phantasiegebilde anzuschauen waren. Kurz vor Sonnenuntergang fuhren wir mit Motorboot zur Titow-Insel und stiegen dort ächzend und schwitzend den steilen Gipfelweg bergan bis zum Pavillon ganz oben, wo tolle Rundumsicht im Schein der untergehenden Sonne möglich war. Auf dem Wasser waren immer noch vorwiegend Händlerinnen in Booten unterwegs und priesen ihre Waren an. Zum reichhaltigen Abendessen lernte ich mehrere Meeresfrüchte kennen und wie man sie knackt und isst. Außer uns waren noch andere Touris aus verschiedenen westlichen Ländern an Bord. Geschlafen habe ich in der Kajüte der Dschunke, wie immer auf dieser Reise, hervorragend.
22. Januar
Auf der Dschunke gibt es einen prächtig geschmückten Tet-Baum, an dem u.a. bunte Karten mit guten Wünschen für Gesundheit, langes Leben und Wohlstand hängen und natürlich Drachenbildern, dem Glückssymbol in Asien. Nach reichhaltigem Frühstück fuhren wir von der Dschunke aus mit einem kleineren Motorboot durch ein niedriges Felsentor in eine von Felsen umrahmte Wasserfläche ein und ließen den Zauber der Natur auf uns wirken. Zurückgekehrt zur Dschunke, begann eine mehrstündige Kreuzfahrt der Dschunke durch die sich ständig ändernde, zauberhafte Kulisse der Insel-Kalksteinformationen. Im Dschunken-Hafen gingen wir an Land und stiegen in unseren Kleinbus, der uns wieder nach Hanoi ins „Anise“-Hotel brachte. Am Nachmittag besuchten wir eine Aufführung des am Hoan Kiem-See gelegenen Wasserpuppentheaters, wo ferngelenkte Figuren auf einer Wasserfläche agieren. Dazu gab es vietnamesische Life-Musik, die für europäische Ohren gewöhnungsbedürftig ist. Am Ende der Aufführung zeigten sich die Akteure, die im Wasser stehend, unsichtbar für uns, im Hintergrund die Figuren bewegten. Auf den Straßen fiel uns die Masse der Mopedfahrer ins Auge, die in Heerscharen allein, zu zweit, zu dritt, zu viert und in seltenen Fällen auch zu fünft auf einem Moped unterwegs sind. Vater, Mutter, ältestes Kind ganz hinten, mittleres Kind in der Mitte und kleinstes Kind ganz vorn. Die Vietnamesen fahren nach Augenmaß und Unfälle sind verglichen mit dem Ausmaß des für meine Begriffe chaotischen Straßenverkehrs selten. Wobei Vietnam an der Spitze der weltweiten Verkehrsunfallstatistik steht. Den Abend verbrachten wir angenehm zu Dritt beim Abendessen im „Seasons of Hanoi“, einem Restaurant, das uns „unserer Vietnamese“ vorgeschlagen hatte. Als wir gegen 22:00 Uhr ins Hotel zurück liefen, erlebten wir das pralle Leben mit den noch auf den Straßen anwesenden Händlern mit ihren zahllosen Ständen oder Plätzen auf der Erde, mit den kleinen Grüppchen, die sich um Herdfeuer geschart hatten und etwas Essbares kochten. Dazwischen immer die Kinder mit dabei. Als wir auf der Straßenseite gegenüber unseres Hotels standen und wegen des dichten Moped-Verkehrs auf eine Gelegenheit zum Überqueren warteten, amüsierten sich die Hotelboys, weil wir so lange warteten. Fast wären sie zu uns rüber gekommen und hätten uns abgeholt. Auf den Straßen stehen Tet-Bäume zum Verkauf, die ich hier in Ettlingen sehr viel kleiner als Zierorangen sah. Natürlich werden diese Bäume unterschiedlicher Höhe auch mit dem Moped transportiert. Der Tetbaum steht in vietnamesischen Wohnungen etwa so lange wie bei uns der Weihnachtsbaum.
23. Januar
Ausgiebiges Frühstück auf der obersten Hoteletage mit Blick auf die Stadt Hanoi und den nahe liegenden Wasserturm. Hanoi mit noch vielen Gebäuden im französischen Stil liegt am Roten Fluss, einem der breitesten Flüsse, die ich je sah. Wir fuhren mit dem Minibus ins Zentrum zum Ho Chi Minh-Mausoleum. Leider war Freitag und das Mausoleum geschlossen, da an diesem Tag Ho immer frisch gemacht wird. Ho wollte nach seinem Tod verbrannt werden, doch seine Genossen entschieden, ihn wie Lenin als Mumie aufzubewahren und zu präsentieren. Da ich die Lenin-Mumie einst in Moskau sah, war ich über die hier entfallene Besichtigungsmöglichkeit nicht enttäuscht. Weiter ging es zur hölzernen Ein-Pfahl-Pagode auf einem Steinpfeiler in der Nähe. Ausgiebig wurde danach der Literaturtempel mit seinen vielen Abschnitten und Toren besichtigt. Dieser war die erste vietnamesische Universität. Mit der Fahrradrikscha wurden wir durch das Alte Viertel Hanois gefahren, durch die Pulks der Mopedfahrer hindurch oder quer zu ihnen. Alles ging gut. Als es zu nieseln begann, legte mein Rikscha-Fahrer vorsorglich einen alten, leeren Plastiksack über mich. Die Gassen sind jeweils den einzelnen Waren zugeordnet. Es gibt Straßen voller Schuhläden, Taschenläden usw. Vom Rikscha gings dann wieder in den Minibus und ab zum Airport, wo wieder Trinkgelddollar, diesmal für Reiseleiter und Fahrer fällig wurden. Nach einstündigem Flug trafen wir in der alten Kaiserstadt Hue ein und wohnten dort unweit des Huong-Flusses, den die Franzosen griffiger Parfümfluss tauften. Im Hotel „Festival“ waren wir wieder bestens untergebracht.
24. Januar
An der Peripherie von Hue besichtigten wir die in riesigen Grünanlagen befindlichen Gräber der letzten beiden Kaiser Vietnams, Tu Duc und Khai Dinh. Auf der Rückfahrt kamen wir an einer Räucherstäbchenmanufaktur vorbei. Dort erstand ich einen Beutel Ingwer mit Zucker für daheim. Eine schlimme Toilette gab es dort auch noch. Anschließend gings zum Kaiserpalast, den wir besichtigten. Leider trug er unübersehbare Wunden die von Franzosen und Amerikanern brutal in die alte Anlage geschlagen worden waren. Der Palast ist auch Weltkulturerbe und wird stückweise wieder aufgebaut, wie wir das noch an vielen zerstörten Kulturdenkmalen sehen sollten. Riesige Bronzetöpfe als Schmuck und Wohlstandssymbole fielen besonders ins Auge. Auf der Rückfahrt ins Hotel stoppten wir an einer Marktanlage zwecks Besichtigung. Kaum waren wir drin, da begann der Wolkenbruch. Durch das undichte Dach floss reichlich Wasser nach innen, wo wir um Matsch und Pfützen herumliefen. Es gab dort fast alles, was man kaufen kann: Lebensmittel, Obst, Gemüse, Gewürze, Nüsse, Souvenirs, Haushaltsgegenstände, Schuhe, Schmuck, Uhren und Gerüche aller Art und, und, und… Silvester-Knaller für das bevorstehende Tetfest gab es nicht zu kaufen. Wegen möglicher Brandgefahr in den einfachen Behausungen der Menschen wird nicht geknallt, dafür gibt es ein großes Feuerwerk für alle.
25. Januar,Sonntag, letzter Tag des Jahres nach dem Mondkalender:
Mit dem Minibus fuhren wir zur Thien Mu Pagode an der Peripherie von Hue, etwas oberhalb am Ufer des Parfümflusses gelegen, wo heute immer noch ein Kloster in Betrieb ist. In der großzügigen Grünanlage zeigte unser Vietnamese wie man den Hasen in der Hasenblume freilegt. Wir sahen Jungen im Alter von ca. 7 bis 12 Jahren, die dort als Novizen, Vorstufe zum Mönch, leben und an den Formen ihrer Rest-Haarlocken erkennbar sind. Sie ließen sich fotografieren, zeigten sich aber zickig. In diesem Kloster lebte einst der Mönch, der sich 1963 öffentlich selbst verbrannte und damit ein Signal zum Aufstand gegen das südvietnamesische Regime gab. Der alte Austin, in dem der Mönch zum Ort der Selbstverbrennung fuhr, ist im Klosterkomplex noch ausgestellt. Vom Kloster aus waren am Horizont die Berge von Laos zu sehen. Über die breite Treppe vom Kloster zum Fluß hinunter führte uns der Weg zum Sampan, auf dem wir den Parfümfluss stromauf fuhren. Auf dem Sampan, einem Holzboot mit Motor, lebt die Schifferfamilie mit ihren zwei kleinen Töchtern. Bei angenehmen Wetter tuckern wir gemütlich stromauf. Rechts Palmen, links Erdnußfelder. Zwischendurch eine Bungalow-Hotelanlage, manchmal eine Pagode, Anlagen zum Sandbaggern für die Baustoffgewinnung am Ufer. Keine Moskitos oder Mücken unterwegs. Ziel war das Kaisergrab von Minh Mang, das in einer sehr weitläufigen Grünanlage angelegt wurde. Von dort aus fuhren wir wieder den Parfümfluss hinunter bis Hue. In der Nähe des Hotels wurde angelegt und aus dem Boot ausgestiegen. Zu Fuß gingen wir zum Hotel zurück. Den letzten Tag des Mondjahres wollten wir mit einem gemeinsamen Abendessen ausklingen lassen. Unser Vietnamese empfahl ein Lokal und ein 12-gängiges Menü für ca.10 €. Wieder lernte ich bisher Unbekanntes essen und schmecken. Gegen zehn Uhr verließen wir das Restaurant. Wir waren die letzten Gäste im Raum. Unser Abzug wurde von den Kellner-Vietnamesen sehnlichst erwartet, denn sie wollten ihre Ruhe zum Feiern haben. Da keine Knaller verkauft werden, wird für alle ein großes Silvesterfeuerwerk auf der Zitadelle des Kaiserpalastes am Parfümfluss abgebrannt. Jede Menge Menschen waren schon unterwegs, sich gute Plätze am Flussufer gegenüber dem Kaiser-Palastufer zu sichern. Wir waren die älteste Personengruppe unter den zumeist jungen Vietnamesen. Leute in meinem Alter sah ich selten. Meist sind dort alle bedeutend jünger. An einer Treppenmauer fanden wir schließlich drei Plätze auf dem Stein um nicht bis Mitternacht stehen zu müssen. Pünktlich in der ersten Minute des neuen Jahres am 26. Januar stieg die erste Rakete hoch und zahllose weitere folgten ca. eine halbe Stunde lang in den Nachthimmel über Hue. Nach dem Ende des Feuerwerks brach der Pulk aus tausenden Vietnamesen mit und ohne Moped los. Wir zu Fuß zwischendrin in Richtung unseres Hotels, das wir dann auch fanden. Den Vietnamesen machte es sichtlich Spaß, uns Europäern ein „Happy New Year“ zu wünschen, und wir haben gern mitgemacht, schon vor dem Jahreswechsel und erst recht danach. Sehr, sehr freundlich kommen sie uns Europäern entgegen. Im Hotel bekam jede Zimmerbesetzung eine Tet-Fest-Torte und jeder ein Geldgeschenk. (10.000 Dong in einer hübschen, speziellen Tet-Fest-Geschenktüte, entspricht 0,5 €) als wir ins Hotel zurückkamen, baten uns die zusammen sitzenden Hotelangestellten in ihre Runde, Rotwein wurde ausgeschenkt, etwas geplaudert und natürlich ausgiebig Happy New Year gewünscht. Wir hatten unseren Krimsekt schon vor dem Aufbruch zum Tetfest-Abendessen geleert, so daß wir nur noch ins Bett fielen nach langem, ereignisreichem Tag.
26. Januar , erster Tag des buddhistischen , neuen Jahres
Jeder wünscht jedem Happy New Year. Das Tetfest dauert theoretisch offiziell drei Tage, praktisch aber eine Woche, bzw. nach Gusto. Viele Gastronomen arbeiteten lieber, anstatt ihre Einrichtung zu schließen, was wir gern registrierten. In den ersten zwei Wochen nach dem Tet-Fest sollen die Buddhisten so oft wie möglich eine Pagode aufsuchen und sich dort Rat für Entscheidungen holen. Wir bestiegen unseren Minibus und fuhren zusammen mit Fahrer und Führer in Richtung Danang, der viertgrößten Stadt Vietnams. Wir überquerten den Wolkenpass und hatten herrliche Weitsicht über das Land. In Danang erholten sich einst die GIs von Kämpfen und Verletzungen. Der herrliche, breite Sandstrand China Beach ist eine tolle Ecke zum Erholen. Unser Führer stammt aus Danang, lebte als Kind zur Zeit des Krieges dort und konnte uns viel darüber erzählen. Wir bestiegen einen der fünf Marmorberge und besichtigten eine Marmormanufaktur. Das Cham-Museum mit den vielen Chamskulpturen wurde besichtigt. Weiter ging es zu unserm Tagesziel : Hoi An am südchinesischen Meer, 300.000 EW. Zuerst besichtigten wir die Altstadt von Hoi An und absolvierten danach eine Bootsfahrt auf dem dortigen Fluss, der an Breite den Rhein weit übertrifft. Anschließend wurde noch eine Seidenmanufaktur besichtigt. Ich sah erstmalig lebende Seidenraupen, Kokons, die abgespult werden und Seidenwebstühle. Seiden- Textilien werden dort angeboten. Ich kaufte mir eine Kravatte mit vielen kleinen Elefanten darauf. Schließlich erreichten wir unser Quartier, das fünf-Sterne-Resort „Palm Garden“. Unser Vietnamese hatte das Programm etwas komprimiert und so hatten wir an diesem herrlichen Fleckchen zwei Tage frei.
27. Januar
Einen halben Tag lang wurde mit Hotelfahrrädern die Altstadt von Hoi An erneut erkundet, die ebenfalls zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Dort steht u.a. eine sehenswerte Japanische Brücke. In diesem Zusammenhang wies unser Vietnamese auf die Krämerbrücke in Erfurt hin. Die andere Hälfte des Tages war gut für einen Strandbummel in die Südliche Richtung. Unterwegs am Strand herkömmliche Fischerboote mit Motor gesehen und kreisrunde, trogförmige aus Weide geflochtene Boote für Fischer.
28. Januar
Strandbummel in Richtung Norden, fast bis Danang. Nachmittags Internet genutzt, abends Tee und Snacks probiert. In der tollen Anlage Palm Garden Resort richtig wohl gefühlt. Palmen und exotische Blumen und Sträucher. Sehr gepflegte Anlage. Herrlicher Pool, Gebäude ca. 100 m vom herrlich breiten Sandstrand entfernt.
29. Januar
Gegen Mittag holte uns der Fahrer mit Minibus ab zur Fahrt zum Flughafen nach Danang. Abflug nach Saigon zur Zwischenlandung dort. Weiterflug abends mit kleiner Zweipropellermaschine mit insgesamt 12 Passagieren nach Phnom Penh. Einstündiger Flug, verging schnell mit dem Ausfüllen der drei kambodschanischen Einreiseformulare. Ankunft in Phnom Penh am Airport und dort Abholung von Kambodschanischem Reiseführer und kambodschanischem Fahrer. Bei der Passkontrolle zur Einreise wurden wir fotografiert. Das gleiche geschah dann bei der Ausreise noch mal. Gegen 19 Uhr in Phnom Penh im Hotel „Juliana“ eingetroffen.
30. Januar
Beginn mit Besichtigung des Geburtsortes der Stadt Phnom Penh, des Hügels der Frau Penh. Mit Skulpturen, altem Elefanten zum Reiten, Pagode, Spatzen in Käfigen gefangen.
Für 1 $ konnte man die Freiheit eines Spatzen erkaufen und somit Gutes tun. Danach den Königspalast besichtigt. Die Fahne war aufgezogen und demnach der König Sihamoni daheim. Während des Pol Pot Regimes war der König auf seinem Palastgelände interniert und musste dort als Gärtner arbeiten. In der Silberpagode gewesen. In jeder noch für rituelle Zwecke genutzten Pagode mussten die Schuhe ausgezogen werden. Danach das Nationalmuseum besichtigt, das viele Khmer-Kunstgegenstände enthält. Die Mittagspause nutzte ich zum Essen (Nudelsuppe mit Gemüse und dazu ein Tiger-Beer, zusammen 5 $)in einem Restaurant dicht am Fluss. Ich hätte lieber eine Besichtigungsrunde mit dem Tuktuk durch die City drehen sollen, was mir leider zu spät einfiel. Kambodschanisches Geld habe ich gar nicht getauscht. Dollar ist dort gängige Zweit- bzw. Hauptwährung. Nachmittags gab es einen Ausflug in die grausame, jüngere Geschichte des Landes während der Pol Pot-Herrschaft. Eine ehemalige Schule gab es zu besuchen, die von den Pol Pot-Leuten als KZ umgewandelt worden war und wo tausende gebildete Menschen grausam zu Tode gefoltert wurden. Zum Schluss wurde noch der Russenmarkt besucht. Einst waren viele Russen in der Stadt, die vorwiegend dort kauften und deswegen heißt der Markt heute noch so.
31. Januar
Am Morgen brachte uns unser Führer zum Flussufer des Tonle Sap, eines breiten Nebenflusses des Mekong, der in der Regenzeit die Fließrichtung wechselt. Mit dem Schnellboot starteten wir nach Siem Reap. Wir hatten Platzkarten für die Sitze im klimatisierten Bereich. Ich hatte zufällig einen Fensterplatz und behielt den die ganze Fahrt über. Die anderen hielten sich meist auf dem Oberdeck auf. Von meinem Fenster aus hatte ich alles im Blick und sah die primitiven Pfahlbauten der Fischer am Flussufer und die vorüber ziehende Landschaft unterwegs. Zweimal wurde das Schnellboot langsamer, als Passagiere mit Paddelbooten angefahren kamen um zuzusteigen.
Unterwegs sah man im Vorbeifahren den Fischern auf ihren kleinen Booten bei der Arbeit zu. Der Tonle Sap durchfließt den Tonle Sap- See, der so riesig ist, dass man ringsum keine Ufer mehr sieht. Nach sieben Stunden Fahrt im Schnellboot trafen wir gegen 14 Uhr am Ziel, an der Peripherie von Siem Reap ein. An primitiven Holzstegen legte das Boot an. Ein unbefestigter Erdhang musste hinauf gestiegen werden. Dort wurden Koffer und Schuhe so richtig staubig. Die einheimischen Träger schleppten die Koffer aus dem Boot über schwankende Planken den Hang hinauf. Einen Dollar Lohn gabs dafür. Einer unserer Koffer wurde erst vermisst, fand sich dann aber noch. Mit neuem Führer, neuem Fahrer und neuem alten Bus ging es hinein ins Zentrum von Siem Reap in unser Hotel “Casa Angkor“. Abends kleinen Rundgang durch die pulsierende City von Siem Reap unternommen, in Läden geschaut, das Nachtleben der Stadt betrachtet und danach Runde durch den kleinen Hotelpool gedreht.
01. und 02.Februar
Tempelanlagen um Angkor Wat angeschaut. Diese ausgedehnten Anlagen wurden um 1100 errichtet und im Laufe der Zeit vom Dschungel überwuchert. Erst 1890 und noch später wurden die Tempelanlagen nacheinander von französischen Forschern freigelegt. An manchen Tempelanlagen sind riesige Baumwurzeln der Würgefeige immer noch im und unter den Gebäuden eingegraben und sehen sehr eindrucksvoll aus. Zur Beobachtung des Sonnenuntergangs stiegen wir auf einen Berg in der Nähe mit einem alten Tempel hinauf, eine Idee, die viele hundert andere Touris auch hatten. Als klar war, dass es keinen schönen Sonnenuntergang wegen vorherrschender Bewölkung geben würde, kletterten wir wieder die steilen Stufen hinunter. Als wir wohlbehalten unten ankamen, war es auch schon dunkel und wir fuhren mit dem Kleinbus wieder ins Hotel zurück. Tagsüber zur Erfrischung Kokosnüsse ausgetrunken. Preis 1 $ pro Nuss. Überall waren Händler an den Tempeln, die penetrant ihre Waren anboten. Viele Kinder wurden zum Verkaufen zu den Touris geschickt. Ich habe meine Schuhe, Enden der Hosenbeine und mich prophylaktisch jeden Tag mit Anti-Mücken-Spray bzw. -Creme behandelt. Offensichtlich hat es genützt. Die dreitage-Eintrittskarte für das Gelände von Angkor Wat kostet 40 $. Beim Eintritt wurde jeder fotografiert und das Foto auf die Eintrittskarte kopiert. Unterwegs wurden wir oft kontrolliert und mussten die Eintrittskarte vorzeigen.
03. Februar
Mittags zum Flughafen von Siem Reap gefahren. Nach Zahlung von 25 $ Ausreisegebühr konnten wir das Land verlassen und pünktlich nach Saigon abfliegen. Etwa eine Stunde Flugzeit mit Airbus A 320. Gegen 16 Uhr im Hotel „Continental“ im historischen Stadtzentrum von Saigon eingetroffen. Dort logierte einst Graham Greene, um Material zu seinem Roman „Der stille Amerikaner“ zu sammeln. Natürlich erstand ich diesen Roman bei einer Straßenhändlerin für 3 $. Bei ca. 33 Grad war es in Saigon für meine Begriffe warm genug. Immer mehr entwickelt sich das Klima zur Regenzeit hin mit dann über 40 Grad. Abends Essen in einer Art Biergarten gewesen. Mitten im Tisch ist ein Grill eingelassen. Mittels Gasflamme kann dort Fleisch , Fisch oder Gemüse gegrillt werden. Die Gaststätte war mit Lampenketten attraktiv geschmückt, wie auch einige Hauptstraßen von Saigon. Das Hotel Continental ist über einhundert Jahre alt, liegt neben dem alten Opernhaus direkt im alten Zentrum der Stadt, umgeben von Verkaufseinrichtungen aller Art, der Post und auch der große Binh Tay Markt ist nicht weit weg. Zehn Minuten läuft man zum Saigon-Fluß. Auch in der Hotelhalle steht ein Tet-Baum. In Saigon, wie im sonstigen Süden ist der Tetbaum ein Mandelbäumchen, das natürlich auch bunt geschmückt ist. Auf dem Saigon-Fluß verkehren betagte Tragflügelboote sowjetischer Bauart im Linienverkehr. Erstmalig solche Tragflügelboote außerhalb der Sowjetunion im Einsatz gesehen.
04. Februar
Beginn mit Spaziergang zum nahe gelegenen alten Postgebäude und zur katholischen Kirche, und zum Rathaus, Besichtigung des ehemaligen Präsidentenpalastes des südvietnamesischen Regierungschefs. Die Panzer, die einst den Palast eroberten, stehen dekorativ im Gartenbereich. Innen sahen wir alles an, vom Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach, über die ehemaligen Privaträume des Präsidenten und Besprechungssäle bis hin zu den technischen Anlagen im Keller. Danach durch Chinatown gefahren, zwei Pagoden besichtigt. Das Kriegsmuseum besichtigt. Dort sind Beutewaffen ausgestellt. Auch die Plakate aus der DDR, die zu Solidaritätsspenden für Vietnam aufrufen, gibt es dort zu sehen. Mittags am Markt Kokosnuß getrunken und Schuhe putzen lassen für 20.000 Dong (knapp ein Euro). Offenbar waren meine stark verstaubten Wanderschuhe dem Schuhputzer ins Auge gestochen. Da es meine Treter wirklich nötig hatten, nahm ich das Angebot an. Am späten Nachmittag allein zum Bahnhof von Saigon gelaufen. 1,5 Stunden hin und 1,5 Stunden zurück. Anhand des Stadtplanes konnte ich mich gut orientieren, da fast alle Straßen Straßenschilder haben. Leider war es schon dunkel, als ich am Bf eintraf. Da ich in Saigon allein nicht nachts unterwegs sein wollte, bin ich nach einigen Fotos wieder umgekehrt und dicht am Verkehr wieder heim getippelt, eine Handbreit neben dem Verkehr.
05. Februar
Früh Start mit dem Kleinbus ins Mekong – Delta. Unterwegs an der Straße noch eine Kao Dai-Pagode besichtigt, die einen Mischmasch verschiedener Religionen praktiziert. Nicht nur Jesus und Mohammed gelten als Propheten sondern auch Victor Hugo, Jeanne dÀrc und Winston Churchill werden als Heilige verehrt. An einer weiteren Pagode haben wir nur gehalten, damit ein Pagodenfan unter uns fotografieren konnte. Wir anderen waren schon Pagoden-übersättigt. Nach mehrstündiger Fahrt über relativ gute Straßen sahen wir auch einen Unfall direkt vor uns. Der Mitfahrer fiel ca. 200 m vor uns vom Moped. Wahrscheinlich war er eingeschlafen. Er rappelte sich offenbar unverletzt wieder auf. Dann trafen wir am Ufer des Mekongdeltas ein. In der Ferne ist eine riesige, neue Hängebrücke sichtbar, die den Mekong überspannt. Leider befahren wir sie nicht. Mit einem Motorboot fuhren wir weiter in die Inselwelt des Deltas. Mitten durch Kanäle mit dichtem Palmenbestand an beiden Ufern. Niedrige Wasserpalmen und hohe Kokospalmen standen sehr dekorativ herum. Als es enger wurde, fuhren wir mit kleinerem Boot weiter. Auf der Insel Thoi Son im Delta besichtigten wir auf einer Früchtefarm die Bonbonproduktion und probierten Bonbons, Tee mit Honig, reichlich interessante, wohlschmeckende Früchte und Reisschnaps. Ich sah dort wie Ananas und auch die Drachenfrucht wächst. Eine Folkloregruppe brachte einheimische Instrumental-Musik mit Gesang zu Gehör, gewöhnungsbedürftige quietschende, schrille Geräusche. Als wir alle von den tollen Früchten gesättigt waren, stiegen wir in kleinere Sampans und wurden von jeweils zwei Frauen pro Boot durch enge Kanäle gepaddelt. Eine der Paddlerinnen zeigte stolz auf ihre eigene Reisstrohhütte als wir daran vorbeifuhren. Viel zu schnell war der schöne Bootsausflug auf dem riesig breiten Mekong beendet und wir saßen wieder im Minibus.
Vom Südosten der Region Saigon fuhren wir in den Nordwesten der Region zum Dorf Cu Chi, wo während des Vietnam-Krieges die VietKong ein unterirdisches Höhlensystem angelegt hatten, das heute eine Touristenattraktion ist. Wir konnten selbst unter fachmännischer Begleitung in die Höhlen einsteigen und das Feeling dort unten im Lehmuntergrund erleben. Getarnte Eingänge, funktionsfähige Fallen aus einfachen Mitteln aber hochwirksam wurden gezeigt. Küche und Krankenstube, auch das Arbeitszimmer des Parteisekretärs konnte besichtigt werden. In der ehemaligen VietKong-Küche lernte ich Maniok-Wurzeln, eingestupft in eine Mischung aus Salz und Chili kennen und schätzen, die in der Nähe auf den Feldern angebaut wurden und werden. Ein Schießplatz ist dort auch vorhanden und dort kann gegen Bares mit zahlreichen unterschiedlichen Waffen ausgiebig geschossen werden. Ob Kalaschnikow oder amerikanisches Infanteriegewehr, oder, oder, es gibt reichlich Auswahl und das Angebot zum Ballern wird gern angenommen. Pro Schuß 1 $, der Feuerstoß für 10 $ entspricht einem guten Abendessen, das ich eindeutig vorziehe.
06. Februar
Heute ist letzter Tag und damit Heimreisetag. Unser Flieger geht aber erst kurz vor Mitternacht vom Saigon Airport. So vertrieben wir uns die Zeit mit ausgiebigem, letztem Frühstück an der wie überall immer reichlich bestückten Frühstückstheke. Dann bummelten wir gemütlich durch Saigon, fuhren per Lift auf die Dachetage eines Hochhauses und besichtigten den dortigen Pool und schauten über die Stadt. Weiter trabten wir in den botanischen Garten und sahen alles an, was dort so an Pflanzen, Bäumen und Tieren vorhanden war. Am Ufer des Saigon-Flusses tranken wir noch Kokosnüsse aus und bummelten zurück zum Hotel, wo wir 20:30 Uhr samt unseren Koffern abgeholt werden sollten. Nach knapp drei Wochen Vietnam und Kambodscha freute ich mich auf daheim. Ich lernte offene Menschen eines tapferen Volkes kennen, das sich erfolgreich gegen weit überlegene Franzosen und Amerikaner wehrte. Im Nachhinein tut mir keine Mark leid, die ich dereinst als Soli-Beiträge für Vietnam leisten musste. Das Geld war gut angelegt, denn der Krieg wurde gewonnen und viele Vietnamesen haben Deutsch gelernt. Das ist gut für Reiseführer und für Touris.
Ich kam nach zwölf Stunden Flug wieder gesund heim und gestohlen wurde mir auch nichts. Allerdings hat beim letzten Flug offenbar jemand an meinem Kofferschloß herumgefingert. Das funktioniert nun nicht mehr. Ein Schaden, der sich in Grenzen hält und locker von vielen, schönen Erlebnissen in der asiatischen Welt aufgewogen wird.